Wohl jeder, dem die Salsa irgendwann ins Ohr und die Beine gegangen ist,
steht eines Tages im Kaufhaus oder Plattenladen vor einem CD-Regal auf der
Suche nach eben jener Musik, die auf der letzten Salsa-Party so mitreißend geklungen hat.
Da man aber anfangs weder Titel noch Interpreten kennt und eher nach der Farbe des Covers
entscheidet, sind die ersten gekauften CD's, bei mir war es jedenfalls so,
mit einigen Enttäuschungen verbunden. Glücklich der, der einem Tipp einer
vertrauenswürdigen Person folgen konnte oder kann.
Wer nun die eine oder andere Salsa-CD bereits sein Eigen nennt und meint,
diese empfehlen zu können oder aber auch vor dieser warnen zu müssen,
der sollte nicht lange zögern und hier seine Meinung äußern.
Übrigens ist es völlig egal, ob besagte CD brandaktuell ist oder schon einige
Jahre auf dem Buckel hat.

Polo Montañez - "Guajiro Natural"
Rezension von Sven aus Brandenburg

,,Es werde Sommer", so dachte und sprach der Rezensent nach einer durchlebten
Nacht, als er erwartungsvoll in den trüben Sonntagvormittagshimmel blickte.
Müde erinnerte er sich eines Mitgbringsels aus dem schönen Potsdam, eben an
jene CD, um die es hier gehen soll, zugesteckt von einer anmutigen
Salsa-Tänzerin (vielen Dank Verena) mit der skeptischen Bemerkung: ,,Ich weiß
gar nicht, ob dir sowas gefällt!". Was soll ich sagen, es ward Sommer und die
CD gefiel mir. Die Rede soll sein von Polo Montanez ,,Guajiro natural".
Zugegeben, beim Hören der ersten Takte von ,,Amanece el nuevo ano" (Track
Nr.1) öffneten sich sofort einige Schubladen, Buena-Vista-Verschnitt, schwer
tanzbar, partyungeeignet ... Aber irgendetwas war anders. Eine unsichtbare
Hand schloss mir die Augen und machte sich am Lautstärkeregler zu schaffen.
Plötzlich nur noch Musik und Sonne. Wirklich festhalten musste ich mich dann
bei Track Nr.6 ,,Un monton de estrellas". Im vergangenen Sommer hätte ich
mich bei diesem Lied fast um Herz und Verstand getanzt. Es ist immer wieder
ein besonderer Moment, wenn mir Titel, denen ich eigentlich nur beim
Tanzengehen begegne, plötzlich in den heimischen vier Wänden ans Ohr dringen.
Was mir sonst als namenloser Klangteppich, deren Masche lediglich der DJ
kennt, vorkommt, erhält jetzt Name und Gesicht, geht ein in meine ganz
persönliche Hitparade und wird mein täglicher Begleiter, wenigstens für eine
bestimmte Zeit. Nicht nur besagter Titel auch die nun folgenden Tracks ,,Un
bolero" (Nr. 7), ,,Canten" (Nr. 9), ,,Si se enamora die mi" (Nr. 10) und
,,Barca a la deriba" (Nr. 11) sind herzerweichend schön und allesamt gut
tanzbar. Achtung: hier gilt absolutes Dreh- und Rueda-Verbot!!! Schnappt sie
Euch also, Eure Salsa-Prinzessin, und lasst sie erst wieder los, wenn der DJ
Euch mit Timba oder Hihg-Speed-Merengue ärgern will.
Auffällig häufig flicht Fernando Borrego Linares, der nämlich verbirgt sich
hinter Polo Montanez, langsamere Rhythmen in seinen Strauß naturbelassener
kubanischer Klänge ein, so z.B. ,,Donde estara" (Nr.4), ,,Si fuera mia"
(Nr.5), ,,Mi mejor amiga" (Nr. 8) und ,,Como sera manana" (Nr. 12). Schade,
dass so etwas wie die langsame Runde, wie es sie früher auf jeder Dorf- und
Schülerdisco nach dem obligatorischen Headbanging zu ,,Highway to Hell"
gegeben hat, auch auf Salsa-Partys nicht mehr anzutreffen ist. Jeder einzelne
dieser vier Titel würde hier wunderbar hineinpassen. Den Abschluss der
Scheibe bildet eine angepoppte Version von ,,Un monton de estrellas".
Ebenfalls hörenswert, wenngleich einiges der Poesie des Originals verloren
geht.
Auch wenn die CD nun schon einige Zeit auf dem Markt ist und jeder zumindest
jenen einen Titel bereits ausgiebig gehört und auch nach ihm getanzt hat,
komme ich nicht umhin, Euch die Scheibe immer noch ans Herz zu legen. Sommer
und Sonne, wenigstens beim Hören der dreizehn Tracks werdet Ihr sie spüren
...
Anmerkung: Leider ist Polo Montañez Ende letzten Jahres bei einem tragischen
Autounfall auf Cuba ums Leben gekommen. Glücklicherweise erschien noch vorher
seine zweite CD "Guitarra Mia", welche sicherlich nicht weniger in die Ohren und Beine geht wie "Guajiro Natural".
+++++ (von fünf möglichen Punkten).

Spanish Harlem Orchestra - "Un Gran Dia En El Barrio"
Rezension von Sven aus Brandenburg

Wenn's im Leben auch drunter und drüber geht, es gibt ihn, den Halt, der dir die Tiefen erträglich und die Höhen zum Rausch werden lässt - den Klick auf den Bestellbutton bei Musica-Latina.
So geschehen bei der Suche nach dem topaktuellen Album des Spanish Harlem Orchestra "Un Gran Dia En El Barrio". Die vorliegende CD hat übrigens wiederum "El Rumbero" (DJ Michael) in gewohnt fundierter und mit zahlreichen Hintergrundinformationen versehenen Art und Weise bereits bejubelt. Dennoch möchte auch ich meinen Kommentar (aus der gewohnten Perspektive des Ottonormalsalsatänzers) hierzu abgeben.
"This record is Spanish Harlem's answer to Cuba's Buena Vista Social Club" - mit diesen Worten bereitet uns die Papphülle der CD auf ihren Inhalt vor. In unserer Welt der Übertreibungen und des äußeren Scheins verwundert diese Selbsteinschätzung nicht, stellt jedoch auch noch keinen Grund dar, den Machern der Scheibe vorbehaltlos Glauben zu schenken. Auf jeden Fall nehmen sich die Spanish Harlems das Erfolgsrezept ihrer kubanischen Kollegen zu Herzen und versammeln nur altgediente Barden, wenngleich deren Durchschnittsalter weitaus geringer ausfällt, um bekannten und weniger bekannten Stücken ein neues akustisches Outfit zu verpassen. Ehrlich gesagt, ich kannte keinen der auf der CD befindlichen Tracks, fühlte mich jedoch entfernt an eine Produktion, die Anfang des Jahres meinen CD-Player erreichte, erinnert (Soneros del Barrio "Remembranzas"). Während dieser meines Erachtens der letzte Kick fehlte und mir relativ schnell die Lust verging, meine Fernbedienung in Richtung Abspielgerät zu richten, verhält es sich mit Dem großen Tag in der Nachbarschaft (holprige Übersetzung des Titels der CD) ganz anders. Wer die Tracks eins bis drei weitgehend still sitzend und aufmerksam lauschend hinter sich gebracht hat, wird es im Folgenden einfach nicht mehr aushalten. Meine Anschläge auf der Tastatur musste ich quasi ungewollt durch rhythmische Bewegungen unterbrechen. Sicherlich ein seltsamer Anblick für diejenigen, die ob der fehlenden Gardinen vor meinem Fenster einen tiefen Blick in mein Wohnzimmer wagen können. Eigentlich ist damit der große Reiz der CD bereits beschrieben, alle Titel erklingen in einer unaufgeregten, einfachen und eingängigen und insgesamt perfekt arrangierten Art und Weise, die körperliche Zurückhaltung einfach nicht erlauben. Meine persönlichen Favoriten sind "Aprende A Querer" (Nr.4), "La Musica Es Mi Vida, mi Companiera y mi Amiga" - wie wahr, wie wahr (Nr.5) und "Pueblo Latino" (Nr.10), nach dem ich bereits auf dem Potsdamer Theaterschiff ausgiebig das Tanzbein schwingen durfte. Leckerbissen inmitten der mitreißenden Salsa-Tracks ist "Pa' Gozar" (Nr.7), eben ein zünftiger Cha-Cha, übrigens viel zu selten auf Salsa- oder Latino-Partys zu hören.
Alles in allem verdient die Scheibe jenen Jubel, den Michael ihr entgegengebracht hat. Empfehlenswert ist die CD auch wegen der sich im Inneren verbergenden Info zur Band sowie der in spanisch und englischer Übersetzung vorliegenden Texte zu den Tracks. Also nichts wie ran an das Album, es lohnt sich in jedem Fall.
Urteil:
+++++ (von fünf möglichen Punkten).

Africando - "Baloba"
Rezension von Sven aus Brandenburg

Das Gute passiert einfach, man muss sich nicht darum bemühen, sondern es nur geschehen lassen. Im Leben gehört mitunter Mut dazu, dieses vorbeifliegende Glück anzunehmen, beim Musikhören reicht ein Tastendruck aus, um es festzuhalten. So geschehen mit dem Africando-Album "Baloba!". Ich bekam es von DJ Guido in die Hände, ohne je etwas von Africando, ihrer Musik und ihrer im weitesten Sinne politischen Botschaft, Africando heißt auf senegalesisch so viel wie "Afrika, wiedervereinige dich!", gehört zu haben.
Die Klänge, denen ich dann lauschen durfte, erinnerten mich durchaus an Buena Vista. Zugegeben, wer sich diesen Klassiker übergehört hat, dem wird es möglicherweise schwer fallen, das vorliegende Album in den Kreis der eigenen Lieblings-Cd's einzureihen. Wer jedoch Sinn für die Lebensfreude, aber auch die gepflegte Melancholie, die von dieser Musik ausgehen, hat, der wird diese Scheibe lieben.
Vorweg, es gibt einen Track auf der Cd, der es lohnt, diese in die heimische Sammlung einzureihen, und zwar die Coverversion des Khaled-Hits "Aicha" (Track Nr. 4). Die Salsa-Welle, der wir derzeit alle beiwohnen dürfen, hat schon einige solcher Adaptionen hervorgebracht. Ehrlich gesagt, findet sich eine ganze Reihe ausgesprochenen Mists darunter, man denke nur an die Versuche, Beatles-Songs mit einem Salsa-Rhythmus zu unterlegen - schrecklich. Wirklich bemerkenswert sind in diesem Zusammenhang lediglich die Salsa-Varianten von "No women, no cry" und eben "Aicha". Wem nur halbwegs die Gabe in die Wiege gelegt wurde, Musik zu empfinden, den muss dieser Titel einfach umhauen. Gespielt auf der Salsa-Party bedeutet er unweigerlich, mit hastigen Drehungen und turnerischen Kapriolen aufzuhören, dafür die Tanzpartnerin noch enger an sich zu schmiegen und langsam, aber sicher zum Kuscheln überzugehen :-)).
Neben "Aicha", die übrigens noch in einer weiteren Version ein zweites Mal, Track Nr.13, besungen wird, finden sich zahlreiche hochkarätige und durchweg tanzbare Tracks. Zu meinen Favoriten zählen hier ,,Ayo Nene" (Nr.2), "Huenouhwo" (Nr.5), "Guarachea mi Chula" (Nr.8) und "Aminata" (Nr.10).
Musik zum Tanzen, Musik mit einer Botschaft, Musik mit Tiefe, all das bietet die vorliegende Cd, deshalb auch hier mein Urteil:
+++++ (von fünf möglichen Punkten).

Grupo Galé - "20 de Julio"
Rezension von Sven aus Brandenburg

Betrachte ich meine bescheidene Sammlung von Salsa-Cd's, fällt eine Combo sofort in den Blick, Grupo Galé. Zu den vorhandenen Bestsellern gesellt sich seit einigen Monaten die aktuelle Produktion der von Diego Galé 1989 ins Leben gerufenen Formation. Diego Galé kann mit Fug und Recht als einer der Großen der kolumbianischen und der internationalen Salsa-Szene bezeichnet werden (wer mehr darüber wissen möchte, kann sich übrigens bei DJ Michael, der die Cd ebenfalls rezensiert hat, die entsprechenden Informationen einholen).
Doch zurück zur Cd mit dem programmatischen Titel "20 De Julio" (kolumbianischer Nationalfeiertag), ohne Weiteres wohl als Ausdruck der Verbundenheit mit dem Heimatland zu bewerten. Mir ist es immer schwer gefallen, die Techno-Kids zu verstehen, die auf der Love-Parade wie die Duracell-Hasen um die boxenbeladenen LKW's hoppeln. Nach dem Hören dieser Cd jedoch, vielmehr noch nach den ersten Tanzschritten zu den Galé-Sounds bin ich eines Besseren belehrt. Einige Titel haben das Zeug dazu, einen beim Tanzen in den Trancezustand zu versetzen. "Tributo al Conde", "Mi Raza", "New York Se Levanta" und "No Quiero Na' "gehören dazu, diese Titel könnten für meine Begriffe mindestens über die doppelte Länge verfügen. Auffallend an dem gesamten Arrangement ist die durchweg gute Tanzbarkeit aller Tracks. Das Tempo, das Galé mitunter bei Kompositionen von Sonora Carruseles vorlegt, fehlt hier. Das ist gut so, denn schließlich gilt es beim Tanzen ja eben nicht nur dem Takt hinterherzuhecheln, sondern mit dem entsprechenden Gefühl die Dame, die man gerade in den Armen wiegt, zumindest in den tänzerischen Himmel zu (ver)führen. Mit Grupo Galé sollte das funktionieren :-)). Alle weiter führenden Versuche gestalten sich erfahrungsgemäß dagegen deutlich schwieriger :-((.
Angemerkt sei im Rahmen dieser Besprechung auch, dass, wie das Beispiel der vorliegenden Cd zeigt, Salsa-Produktionen eben nicht nur die leichten Themen aufnehmen, was zumeist mit endlosen Variationen des Liebe-hin-Liebe-her-Motivs gleichzusetzen ist. Track Nr. sieben, "New York Se Levanta", greift die Ereignisse des 11.September auf und liefert den Versuch einer Auseinandersetzung mit den Geschehnissen ab.
Alles in allem lohnt es sich, den Galéisten Gehör zu schenken, für jede Salsa-Party sollte die aktuelle Scheibe ein absolutes Muss sein.
Bewertung:
+++++ (fünf von fünf möglichen Punkten)

Salsa Picante - "Jubileo"
Rezension von Sven aus Brandenburg

Auch in Sachen Salsa kann der Blick vor die eigene Haustür, sprich ins Ruhrgebiet lohnen. Weit gefehlt, wer dort nur Manta-Fahrer und fanatische Fußballfans vermutet. Nicht nur Stahl und Eisen, nein auch Salsa-Hits werden dort geschmiedet. Die Rede ist von Salsa Picante, der wohl namhaftesten deutschen Salsa-Combo. Chartbreaker in El Salvador und Kuba sowie gemeinsame Auftritte mit den Großen der klassischen New Yorker Salsa machen die international besetzte formation zu einem Schwergewicht innerhalb der deutschen Salsaszene. Von den bisher erschienen sechs Alben, die letzte Produktion stammt übrigens bereits aus dem Jahr 1996, bietet die 1994 vorgelegte Veröffentlichung "Jubileo" einen Querschnitt zum bis dahin durchweg erfolgreichen Schaffen der Band.
"Jubileo" unterscheidet sich auffallend von den bisher in dieser Rubrik vorgestellten CD's. Das im Übrigen nicht nur wegen der vielfältigen stilistischen und rhythmischen Variationen, die das Album bereithält (immerhin verarbeiten die Ruhrpottler vom kubanischen Son bis zum Latin Jazz vielfältigste musikalische Einflüsse), sondern vor allem weil die CD eben nicht die übliche Hit-Soße liefert. Wer Sinn für's Besondere hat sowie Geduld und Offenheit mitbringt, wird an der CD seine Freude haben. Von den insgesamt vierzehn Tracks haben mich "Carmela" (Nr.3), "Salsa Sabrosita" (Nr.6), "Bomba de conciencia" (Nr.10) und "To Charlie" (Nr.13) sofort begeistert. Als Leckerbissen bzw. Spezialität sind diese Titel auch durchaus partygeeignet.
Auf jeden Fall macht das Album neugierig auf weitere Veröffentlichungen, insbesondere jedoch neugierig auf die Live-Auftritte der Band, die sich jedoch leider wegen der immer noch vorhandenen Schwierigkeiten, in Deutschland sein Geld ausschließlich mit den heißen Rhythmen der Salsa zu verdienen, auf das Ruhrgebiet beschränken. Wer Näheres über die Band erfahren möchte, dem empfehle ich Heft 17/ 2001 des "Bamboleo". Dort finden sich ein ausführlicher Überblick über die bisherigen Veröffentlichungen sowie ein Interview mit dem Bandleader Georg Corman.
Bewertung: +++++ (von fünf möglichen Punkten)

Grupo Niche - "Los 30 Mejores"
Rezension von Sven aus Brandenburg

Nicht nur Frauen können einem Rätsel aufgeben. Nein, auch Salsa-CD's. So erging es mir jedenfalls beim ersten
Hören des Best-of-Albums "Los 30 Mejores" der weltbekannten Salsa-Formation Grupo Niche. Anderswo über alle
Maßen gelobt und wärmstens empfohlen, konnte ich den Gesängen der kolumbianischen Kultband nicht allzu viel
abgewinnen. Alles klang irgendwie bedächtig, blechern, mitunter nicht gerade wenig kitschig. Erschwerend kam
hinzu, dass ich die Doppel-CD im Paket mit der nun mittlerweile nicht mehr aktuellen Hitversammlung "Heavy Salsa" von Sonora Carruseles geliefert bekam. An "Ave Maria Lola" und "Micaela" konnte ich mich einfach nicht satt hören, sodass die Kolumbianer vorerst keine zweite Chance bekamen. Aber alles im Leben hat seine Zeit....
Vorweg sei gesagt, dass derjenige, der exzessives Drehen, kompliziertestes Verwickeln und Tanzen nah am
Trancezustand liebt, beim Hören der CD nur in einigen Fällen auf seine Kosten kommen wird. Nur wenige Tracks,
wie "Listo Medellin" (Nr.15/ 1) und "Buenaventura y caney" (Nr.14/ 1), haben in meinen Augen das Zeug, den Tiger im Tänzer zu wecken. Die verbleibenden 29 Titel allerdings, mit Höhen und Tiefen versteht sich, graben sich, ob ihrer einfachen und eingängigen Melodien, ins Ohr, vielmehr noch ins Herz des Zuhörers. Darin liegt denn auch die Stärke des Doppelalbums. Spätestens nach dem zweiten Hören erschließt sich einem dieser harmonische Wohlklang, der bei Salsa-Liebhabern mit weichem Herz schon 'mal zum Dahinschmelzen führen kann.
Einen nostalgischen Wert erhält das Album für mich mit dem ersten Track der zweiten CD, "Sin sentimiento". Wer den Salsa-Anfängerkurs im Sommer 2001 im HdO mitbestritten hat, kennt diesen Titel in jedem Fall. Er muss einer von Hernandos Lieblingssongs gewesen sein, denn in fast jeder Tanzstunde rumpelten wir in damals noch recht eckigen Bewegungen nach jenen Klängen über die Tanzfläche.
Meine ausdrücklichen Favoriten des Doppelalbums sind "El amor vendra" (Nr.13/ 1), "Miserable" (Nr.14/ 1),
"Se parecio tanto a ti" (nr.9/ 2) und bereits erwähnter Track "Buenaventura y caney" (Nr.14/ 2). Alles in allem stellen die dreißig Titel der vorliegenden CD in meiner akustischen Salsa-Bilbliothek eine gelungene Abwechslung zu den gängigen Krachern dar. Wer's gefühlvoll und auch 'mal romantisch mag, wird die Hitsammlung der Grupo Niche lieben lernen.
Bewertung: +++++ (von fünf möglichen Punkten)

El Gran Combo De Puerto Rico - "Nuevo Milenio - El Mismo Sabor"
Rezension von Sven aus Brandenburg

Wer wie ich als Salsa-Laie gerade in den weiten Ozean der Salsa eintaucht,
kann sich gewiss sein, dass er/ sie sich auf einer großen Entdeckungsreise befindet.
Einer Entdeckungsreise mit vielen Überraschungen. Eines Tages haltet ihr jedoch
dann das erste Mal eine CD der Gran Combo de Puerto Rico in euren Händen. Jetzt
könnt ihr Euch sicher sein, nicht irgendein Eiland, sondern einen ganzen Kontinent
entdeckt zu haben. Die Gran Combo, das Cover der aktuellen CD Nuevo milenio - el
mismo sabor zeigt dreizehn strahlende Combonisten, ist unter den Salsa-Bands das,
was die Stones in der Rock-Musik sind, sprich eine Band, die schon Ewigkeiten auf
den Bühnen der Welt aktiv ist. Mittlerweile sind es schon über dreißig Jahre.
Allerdings sehen die überwiegend schnauzbärtigen Puertoricaner nicht ansatzweise
so mitgenommen wie Jagger und Co. aus.
Das aktuelle Album, das nach einer mehr oder weniger längeren Pause entstand,
ist ein absolutes Muss für jeden, der es mag, wenn es richtig klappert,
bläst, singt und klingt. Allerdings übt sich die Große Combo in unnötiger
Bescheidenheit. Nur ganze 37 Minuten hochkarätigen Salsagenuss gönnt man uns.
Das ist schlecht. Hier wäre mehr wirklich mehr gewesen. Nun denn, die acht Tracks,
die das Album vereint, sind dafür allerdings von solch einer Qualität, dass es zum
Meckern weiterhin keinen Grund gibt. Absoluter Top-Hit der CD ist natürlich Me
liberé (Nr.3), der Abräumer des vergangenen Jahres. Zurzeit ist der Titel immer
noch in den Top-Ten der Berliner und wohl auch der Brandenburger Single-Charts.
Von mindestens gleichem Kaliber sind ebenfalls "El amor es ciego" (Nr.1), "Se nos perdio el amor" (Nr.2), "Viva puente" (Nr.4) und "Nadie como ella" (Nr.8), übrigens auch auf jeder Salsa-Party regelmäßig zu hören.
Bliebe abschließend nur so viel zu sagen, dass derjenige, der beim Hören dieser CD still sitzen bleibt, unbedingt den Arzt aufsuchen sollte. Alle anderen werden ungetrübten Hör- und vor allem Tanzgenuss von Anfang bis Ende haben.
Bewertung: +++++ (von fünf möglichen Punkten)

Oscar d'León - "El Verdadero León"
Rezension von Sven aus Brandenburg

Wer als Salsa-Greenhorn bestrebt ist, so etwas wie einen roten Faden in der schönen neuen Welt der Salsa ausfindig zu machen, der ist bei Oscar dem Löwen, Oscar d'León, auf der richtigen Fährte. Hatte ich die Gran Combo aus Puerto Rico als einen Kontinent im weiten Ozean der Salsa bezeichnet, so gilt dasselbe natürlich auch für Oscar. In El Verdadero León finden sich die großen Hits des Venezuelaners. Im Unterschied zu den schnauzbärtigen Puertoricanern verwöhnt uns d'León mit satten 67 Minuten feinstem Hör- und Tanzvergnügen. Von der ersten bis zur letzten Sekunde kommt der Genießer hier auf seine Kosten.
Unter den fünfzehn Titeln des Albums befindet sich auch mein ganz persönlicher Salsa-Lieblingssong, und zwar Track Nr.13. Seit meinen ersten Tanzschritten bei Hernando hier in Brandenburg hat sich mir dieses Lied, ohne auch nur irgendetwas darüber zu wissen, eingeprägt. Was mir The River von Springsteen in meiner Vor-Salsa-Zeit bedeutete, gilt seitdem und jetzt erst recht auch für "Lloraras". Wenngleich einer der kürzesten Titel der CD, ist er für mich der Inbegriff eines perfekten Songs. Zusammen mit Melao de cana (Nr.3) bildet er den absoluten Höhepunkt des Best-of-Albums. Achtung: in der richtigen Lautstärke gehört und mit der richtigen Tanzpartnerin am richtigen Ort getanzt, besteht durchaus die Gefahr abzuheben. Damit jedoch nicht genug, die Repeat-Taste eures CD-Players solltet ihr ebenfalls unbedingt bei Detalles (Nr.1), Que bueno baila usted (Nr.2), A el (Nr.7) und Sigue tu camino (Nr.8) nicht aus den Augen verlieren.
Das Gesamturteil zu vorliegender CD kann in meinen Augen nur ein begeistertes sein. Deshalb meine Empfehlung: hineinhören, mitwippen, tanzen gehen, glücklich sein.
Bewertung: +++++ (von fünf möglichen Punkten)

Gilberto Santa Rosa - "Esencia"
Rezension von Sven aus Brandenburg

Eher zufällig und ohne eigenes Zutun bin ich auf eine CD gestoßen, die nun seit einiger Zeit schon mein Ohr erfreut. Eine salsa- und lateinamerikaerfahrene Bekannte schob mir während der letzten freien Tage einen Stapel CD's herüber, in vollem Optimismus, dass sich hierunter wohl auch etwas für mich finden lassen müsse.
In der Tat, es ließ sich etwas finden. Gilberto Santa Rosa heißt der Gute, der sich mit seinem Album "Esencia" in mein Ohr geschlichen hat. Zugegeben das Cover ist nicht unbedingt aufregend, wie übrigens bei den meisten Salsa-CD's. Dafür jedoch die Musik ...
Das gesamte Album vermittelt eine äußerst entspannte und dennoch beschwingte Stimmung. Kein Vergleich zu den treibenden und elektrisierenden Rhythmen a la Grupo Galé. Man hat von Anfang das Gefühl, von der Musik davongetragen zu werden. Die Bläser- und gelegentlichen Streicherpartien geben dem Ganzen jenen mitunter leicht verträumten, dennoch fröhlichen Charakter. Wer's also auch 'mal etwas romantisch mag, der sollte "Amándote" (Nr.2), "Esas lágrimas" (Nr.3), "Me faltó" (Nr.5) oder auch "No ha pasado nada" (Nr.9) nicht verpassen. Etwas aus dem Rahmen fällt dagegen "Para vivir" (Nr.7). Entweder sind mit Gilberto hier die Gefühle durchgegangen oder er hat schlicht vergessen, das dahinpletschernde Piano mit einem tanzbaren Rhythmus zu unterlegen. Schön ist es in jedem Fall.
Wie gesagt alle [anderen] Tracks sind gut tanzbar. Richtig zur Sache geht es dagegen in "Yo no te pido" (Nr.4) oder auch "Y eso duele" (Nr.6). In letztgenanntem Stück schreckt Gilberto selbst nicht davor zurück, uns mit einem circa dreißigsekundigen fetten Bass zu überraschen. Gewöhnungsbedürftig, aber nicht übel.
Insgesamt kann ich nur zuraten, diese CD in den eigenen Besitz zu überführen. Sie scheint allerdings schon etwas älteren Datums zu sein, nämlich von 1996. Näheres zu Gilberto Santa Rosa habe ich nicht in Erfahrung bringen können. Wer hierzu etwas weiß, kann es mich übrigens gerne wissen lassen.
Anmerkung des Webmasters: Wer des spanischen mächtig ist, kann mehr über Gilberto auf seiner Internetseite erfahren: gilbertosantarosa.com
Bewertung: ++++1/2 (von fünf möglichen Punkten)
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