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Wenn introvertierte Eltern extrovertierte Kinder haben oder wenn Kinder und Eltern von der Anlage her sehr unterschiedlich sind

Ich feiere das Alleinsein. Wo andere sich schon längst nach Gesellschaft sehnen, blühe ich auf. Auf WG-Partys war ich immer die erste, die sich auf den Balkon oder in ein leeres Zimmer zurückgezogen hat. Nicht weil ich müde war, sondern weil ich schneller aussozialisiert bin als die meisten. Ich bin introvertiert.

Was ist extrovertiert, was introvertiert?

Kurz gesagt ziehen extrovertierte Menschen Energie aus sozialen Situationen. Sie brauchen sie regelrecht wie Luft zum Atmen. Aufregende Gespräche, gerne auch mit vielen unterschiedlichen Personen, sind für sie eine Frischzellenkur. Für introvertierte Menschen wie mich hingegen ist das Alleinsein ein Jungbrunnen. In größeren Gruppen verliere ich schnell die Übersicht, und ich habe intensiven Austausch am liebsten mit Einzelpersonen. Wenn ich mich dann noch zurückziehen kann, fühle ich mich wohl. Früher war es kein Problem, mir diese Ruhepausen zu gönnen. Doch seit ich eine sehr extrovertierte Tochter habe, musste ich mir Strategien suchen, um meine Akkus wieder aufladen zu können.

Strategien für introvertierte Mamas und Papas

Kopfhörer am Spielplatz

Einen Moment den Kopf und die Gedanken in einer trubeligen Atmosphäre abschalten zu können, kann Gold wert sein. Deshalb sind meine Kopfhörer für mich mein wichtigster Begleiter, um Überforderung und kreisenden Gedanken zu begegnen.

Die Kinder von anderen Familien mitnehmen

Was schon für andere Eltern gilt, gilt für Introvertierte Mamas und Papas ganz besonders: Pausen sind wichtig. Wenn mehrere Kinder zusammenspielen, verschiebt sich die Aufmerksamkeit idealerweise aufs gemeinsame Spiel und weg von den Eltern. Deshalb bin ich gerne mit mehreren Kids auf dem Spielplatz.

Sich aufteilen

Wer die Chance hat, teilt sich die Kinderbetreuung mit dem Partner, den Großeltern oder Freunden auf. Das sprichwörtliche Dorf, dass es braucht, um ein Kind großzuziehen, kann introvertierten Eltern den so dringend benötigten mentalen Raum verschaffen.

Ruhepole für Zuhause

Die eigenen vier Wände sind für die meisten Introvertierten der ideale Rückzugsort. Wenn dort nun auch ein kleiner aktiver Mensch lebt, dem es naturgemäß schwer fällt, persönliche Grenzen und Räume zu verstehen, ist es umso wichtiger, Bereiche abzustecken, die für Ruhe, Gelassenheit und Komfort stehen. Das kann ein kleiner Hausschrein sein, der Platz für die Meditationsmatte oder einfach der Sessel oder das Bett, der klar signalisiert – das ist mein Platz für meine Gedanken. Wenn dafür der Raum fehlt: Ein Regalbrett oder ein Tagebuch funktionieren auch als privater Schutzraum.

Aktivitäten finden, die beiden Freude bereiten

Der Besuch im Kindercafé kann im Idealfall ein gemütliches Stück Kuchen und die Zeitung für mich und eine intensive Spielstunde mit Freunden für mein Kind bedeuten. Ich habe auch schon Fußmassagen gleichzeitig mit meiner Vierjährigen gemacht. Findet etwas, dass euch verbindet und gleichzeitig entspannt.

Freunde besuchen mit Exit-Strategie für die Mama

Häufig kommt die bleierne Müdigkeit der Überforderung nicht aus einer Situation selbst, sondern aus dem Gefühl heraus, ihr ausgeliefert zu sein. Deshalb hilft es, mit Freunden klare Exit-Strategien für Besuche zu besprechen: Das kann ein spontaner Rückzug für eine kurze Meditation sein oder auch nur die Gewissheit, im Zweifel ohne kritische Nachfragen nach Hause gehen zu können. Verständnis hilft viel.

Bei Besuch: Sich trauen, sich zurückzuziehen

Auch bei Besuch von Familie und Freunden im eigenen Zuhause ist es wertvoll, wenn die Gegenüber aufgeklärt sind und verständnisvoll reagieren können. Wenn ich mich zurückziehe, ist es keine Zurückweisung, sondern Selbstfürsorge als Mama und Freundin.

Pausen einplanen und kommunizieren

Kommunikation ist der Schlüssel. Wer als introvertierte Mama oder Papa klar die eigenen Grenzen und Bedürfnisse benennen kann, hat vom eigenen Kind bis hin zu den Freunden, Kollegen und den eigenen Eltern und Verwandten ein mächtiges Tool in der Hand, um den gemeinsamen Alltag für alle einfacher zu machen.

Service-Ende

Für viele introvertierte Menschen ist es wichtig, einen klaren Überblick über ihre Sozialzeit zu haben. Für uns funktioniert die klare Absprache, dass ich mich abends ab einer gewissen Zeit ins herrlich ruhige Schlafzimmer zurückziehen darf, während mein Mann das Kinderabendprogramm übernimmt. So kann ich Gedanken und Seele nach einem langen, aufregenden Tag sortieren und am Ende des Tages entspannt die Einschlafbegleitung übernehmen.

Denn niemand ist ein besserer Freund, Kollege, Mama oder Papa als eine introvertierte Person, die ganz in ihrer Mitte ist.

Josephine Bernstein

http://backpackbaby.de/

https://www.instagram.com/backpack_baby/

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