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Von Asphyxie habt ihr sicherlich schon gehört, was das genau bedeutet, erfahrt ihr von unserer Expertin Prinzessin Stefanie zu Sayn-Wittgenstein.

Liebe Mamas und Papas, 

eine Asphyxie bedeutet in der Übersetzung aus dem Griechischen Pulslosigkeit. Aber gemeint ist der Sauerstoffmangel. Hält ein Sauerstoffmangel zu lange an kommt es zwangsläufig zur Pulslosigkeit, denn ohne Sauerstoff versagt das Herz die Tätigkeit. Ein Sauerstoffmangel ist immer eine schwerwiegende, lebensbedrohliche Notfallsituation. Besonders bedrohlich ist er aber zu Beginn des Lebens.

Asphyxie bedrohlicher Sauerstoffmangel 

Ein Sauerstoffmangel von nur wenigen Minuten in der Schwangerschaft oder während der Geburt entscheidet, ob ein Kind gesund oder mit massiven Einschränkungen der geistigen, organischen, motorischen und körperlichen Fähigkeiten auf die Welt kommt. Ich halte beim Schreiben gerade inne und denke an die vielen Frühgeborenen, um die wir jede Sekunde gekämpft haben, um einen Sauerstoffmangel zu vermeiden. Oft waren die Lunge und das gesamte Atmungssystem noch viel zu unreif, um diese Gefahr allein bannen zu können. Und ich denke an die Neugeborenen die unter der Geburt einen Sauerstoffmangel erlitten hatten und bei uns auf der Intensivstation notfallversorgt wurden. Vielen haben wir helfen können, aber leider nicht allen.

Vorsorgebetreuung hilft zur Früherkennung von Asphyxie

Ich bin dankbar um die Entwicklung der Vorsorgebetreuung in der Schwangerschaft, der Möglichkeiten der Früherkennung und der Entwicklung der medizinischen Versorgung. Und auch der Frühförderung und der physiotherapeutischen Möglichkeiten, die auch nach einem Sauerstoffmangel und dessen Folgen auf das Gehirn und die Organe so viel bewegen können. 

Was passiert bei einem Sauerstoffmangel 

Registriert das körperliche System einen Sauerstoffmangel, so setzt es alles daran Alternativen zur Energiegewinnung zu mobilisieren. Beginnend mit der Erhöhung der Herzfrequenz, der Engstellung der Gefäße bis zum Energiegewinn ohne Sauerstoff, der anaeroben Glykolyse. Bei dieser Form der Energiegewinnung entsteht Lactat im Gewebe, was zu einer Übersäuerung des Gewebes führt. Übersteigt die Übersäuerung die Toleranzgrenze der Zellen, so kommt es schließlich zum Zelltod und der Schädigung ganzer Organgewebe.  Beim Ungeborenen oder Neugeborenen sind alle Zellen der Organe und vor allem die Zellen des Gehirns und der Nerven besonders sensibel auf eine Übersäuerung und nehmen schnell Schaden.

Es drohen massive Organschädigungen

In der Folge eines Sauerstoffmangels und der damit verbundenen Übersäuerung des Gewebes kommt es zu massiven Schädigungen an allen Organsystemen, wie Gehirn, Nerven, Magen, Darm, Muskeln, Nieren, Gefäßen usw. Auch wenn der Ursprung des Sauerstoffmangels und der Sauerstoffmangel durch Sauerstoffzufuhr behoben werden kann, ist der Prozess der durch die anaerobe Glykolyse ausgelöst wurde immer noch akut. Der ph-Wert zeigt die Situation der Übersäuerung des Körpers an.

Notfallversorgung bei Asphyxie

In der Notfallversorgung geht es vor allem darum, die Sauerstoffversorgung schnell wiederherzustellen und die Übersäuerung des Gewebes auszugleichen. Je nachdem wie lange ein Sauerstoffmangel angehalten hat, können die Folgen der Schädigung oft erst nach Tagen und Wochen in seiner ganzen Auswirkung festgestellt werden.
Risikofaktoren für einen Sauerstoffmangel des Babys in Schwangerschaft, während oder nach der Geburt

Risikofaktoren für einen Sauerstoffmangel vor der Geburt

  • nicht ausreichend durchblutete Plazenta während der Zeit im Mutterleib
  • Knoten in der Nabelschnur
  • Infektionen vor der Geburt
  • mütterlicher Diabetes
  • Alkoholmissbrauch
  • Nikotinmissbrauch

Risikofaktoren für einen Sauerstoffmangel während der Geburt

  • Die Durchblutung der Nabelschnur wird gestört, durch z.B. Nabelschnurumschlingung, Knoten in der Nabelschnur
  • Abfall der Herztöne unter der Geburt
  • Lange Geburt, Stress
  • vorzeitigen Plazentalösung 

Risikofaktoren nach der Geburt

  • Unreife der Lunge
  • Krankheitserreger
  • angeborene Herzfehler
  • Hirnblutungen
  • Verletzungen, die durch die Geburt entstanden sind

Heute ist das Risiko, dass euer Baby einen Sauerstoffmangel in der Schwangerschaft oder unter der Geburt erleidet deutlich geringer als noch vor 10 Jahren.

Mögliche Risiken früh erkennen

Die Forschung mit der Fragestellung „Wie kann ein Sauerstoffmangel in der Schwangerschaft und unter der Geburt für genug erkannte werden, möglichst verhindert werden und die dramatischen Folgen reduziert werden, hat zu wertvollem Fortschritt geführt. Bereits in der Schwangerschaft, wenn die werdende Mutter die Vorsorgeuntersuchungen regelmäßig wahrnimmt, können mögliche Risiken heute früh erkannt und therapiert werden.

Dopplersonographie 

Mittels Dopplerultraschall kann der Durchfluss und der Sauerstoffgehalt des Blutes, was das Ungeborene erreicht errechnet werden. Es kann gut erkannt werden ob die Plazenta das Baby gut versorgen kann. Die CTG Untersuchung zeigt die Herztätigkeit des Embryos während er Schwangerschaft und auch während der Geburt. So können Risikofaktoren früh erkannt werden und entsprechend Vorsorge getroffen werden. Je nachdem ob bei euch ein Risiko vorliegt, wird euch euer Frauenarzt an eine entsprechende Geburtsklinik verweisen. Besteht ein erhöhtes Risiko für eine problematische Geburt, wird er euch an eine Geburtsklinik mit entsprechender Notfallversorgungsmöglichkeit von Neugeborenen überweisen.

In der Fortsetzung des Artikels werdet ihr am 27. April erfahren, wie man einen Sauerstoffmangel während der Geburt erkennen kann und wie bedrohlich ein leichter Sauerstoffmangel bereits sein kann.

Beitragsfoto: Foto von Jonathan Borba von Pexels

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