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Caroline Link gehört zu den erfolgreichsten deutschen Filmregisseurinnen, ihr Film „Nirgendwo in Afrika “ wurde 2003 mit einem Oscar in der Kategorie bester fremdsprachiger Film ausgezeichnet. Ihr Engagement gilt der Stiftungen Children for a better world und der Stiftung Kindergesundheit. 2020 machte sie für die Aufklärungskampagne Anrufen hilft! einen TV Spot für das Hilfetelefon Sexueller Missbrauch der Bundesregierung. Gestern ist ihr Kinderbuch „Finnis Geheimnis“ erschienen. Für euch haben wir mit der bekannten Regisseurin und Autorin über das brisante Thema sexuelle Gewalt bei Kindern gesprochen.

Interview mit Caroline Link

Wie kam es dazu, dass Sie ein Kinderbuch über dieses ebenso brisante wie höchstwichtige Thema geschrieben haben?

Es war für mich überraschend und schockierend, wie weit verbreitet sexualisierte Gewalt in unserer Gesellschaft stattfindet. In jedem Klassenzimmer sitzen statistisch 2 Kinder, die davon betroffen sind. Vielen fehlen die Worte, das Erlebte einer Bezugsperson mitzuteilen. Mit unserem Buch möchte ich helfen, auf Kinder aktiv zuzugehen. Ihnen zu erklären, dass es Menschen gibt, die Kindern körperlich zu nahe treten und Dinge tun, die nicht in Ordnung sind und gegen die jedes Kind das Recht hat, sich zu wehren.

Ab welchem Alter ist es für Eltern wichtig ihre Kinder für Situationen, die zu sexuellem Missbrauch führen könnten, zu sensibilisieren?

Ich denke, man kann Kindern schon im Kindergartenalter Respekt vor dem eigenen Körper und dem Körper eines anderen beibringen. Man kann ihnen zeigen, dass Berührungen und Liebkosungen immer freiwillig geschehen müssen. Wenn ein Kind keine Lust hat zu kuscheln oder geknuddelt zu werden, dann sollten wir ihm zeigen, dass das in Ordnung ist.

Was können Eltern tun, um ein offenes Verhältnis auf stabiler Basis zu erreichen, damit ihre Kinder ihnen vertrauen und alles erzählen, was sie beunruhigt?

Eltern sollten den ‘Dingen einen Namen geben’. Die Geschlechtsorgane sind nicht peinlich, sondern gehören zu unserem Körper. Wenn wir Eltern es schaffen, ohne Peinlichkeit über unseren Körper zu sprechen, wenn es da keine Tabus gibt, dann ist es auch für die Kinder leichter möglich, über Sexualität und vermeintlich Unangenehmes zu sprechen.

Was sind Alarmsignale, die auf einen Missbrauch hinweisen könnten, auf die Eltern bei ihren Kindern achten sollten?

Wenn sich mein Kind plötzlich verändert, wenn es sich zurück zieht, einen Ort oder Menschen meidet, verängstigt wirkt, dann sollten wir behutsam versuchen, der Sache auf den Grund zu gehen.

Ist in der heutigen Zeit das Risiko durch die digitalen Medien und sozialen Netzwerke größer, dass es zu sexuellem Missbrauch kommen kann?

Es ist ganz wichtig, dass wir wissen auf welchen Seiten im Netz unsere Kinder unterwegs sind. Je nach Alter müssen wir den Kindern erklären, welche Gefahren bei Begegnungen im Netz möglich sind. Verabredungen mit Netzbekanntschaften sollten niemals geschehen, ohne dass ein Erwachsener zumindest beim ersten Treffen dabei ist. Ich find es wichtig, nicht in einem alarmistischen Ton mit den Kids über die Gefahren zu sprechen. Ich will kein Spielverderber sein. Aber ich kann meinem Kind ruhig und sachlich, ohne zu übertreiben oder zu dramatisieren erklären, was in der Realität denkbar ist.

Wie sollten sich Eltern verhalten bzw. wie vorgehen, wenn sie den Verdacht haben, dass ihr Kind Opfer von sexuellem Missbrauch geworden sein könnte?

Sexueller Missbrauch beginnt nicht erst mit einer Vergewaltigung. Kinder können sich auch belästigt fühlen, wenn sie übergriffig berührt oder angestarrt werden oder mit zweideutigen Sprüchen bedacht werden. Schenkt eurem Kind Glauben! Wiegelt nicht ab! Wenn euer Kind sagt, ich mag das nicht, stellt euch vor, wie sich ein kleiner Mensch fühlt, wenn ein mächtiger Erwachsener es bedrängt. Wenn nötig, sucht das Gespräch mit den beteiligten Personen oder einem Hilfetelefon.

Foto Caroline Link: Copyright: Adrienne Meister, Beitragsfoto: Edel Kids Books

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