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Gewaltfreie Kommunikation: Bei sprachlicher Gewalt kommt es nicht auf die Worte an, sondern auf die Haltung dahinter. Wir können absolut friedvoll „Scheiße!“ rufen, genauso, wie „Du bist so ein liebes Kind“ sprachlich totale Gewalt sein kann.

Wie erkennen wir Gewalt in der Sprache?

Was bedeutet eigentlich gewaltfreie Kommunikation? Gewalt passiert immer dann, wenn unser Gegenüber eigentlich keine Wahl hat, wie es sich verhalten soll. Indem wir Sprache als Mittel der Machtausübung nutzen, indem wir loben oder bestrafen, schränken wir den Handlungsspielraum unseres Kindes ein. Die eigentliche Frage lautet also: Greifen wir sprachlich das Selbstbild unseres Kindes an?

Selbstbild des Kindes wird angegriffen

Schauen wir auf das Beispiel vom Anfang: „Du bist so ein liebes Kind.“ Wenn wir diesen Satz sagen, um damit das Verhalten unseres Nachwuchses zu manipulieren, dann machen wir damit deutlich, dass wir finden, dass unser Kind gerade überhaupt nicht lieb ist. Wir üben also Gewalt aus. Wir greifen das Selbstbild des Kindes an. Das Kind lernt: Lieb ist gut, ich bin gerade aber nicht lieb, also ich bin nicht gut und richtig. 

Was können wir gegen Gewalt in der Sprache tun?

Wenn wir uns mit gewaltvoller Sprache auseinandersetzen wollen, müssen wir bei uns selbst ansetzen. Also macht es Sinn, über die Haltung hinter unseren Worten nachzudenken. Über das, was wir eigentlich sagen wollen. Fragen, die dabei helfen können, sind: Worum geht es mir? Warum ist mir das wichtig? Ist mir das wirklich wichtig? Ist mir das wichtiger als das Selbstbild meines Kindes? Gewaltfreie Kommunikation ist nichts, was wir immer perfekt und richtig machen können und müssen. Aber sie kann das Verhältnis zu uns selbst und zu unseren Kindern und damit unser Familienleben dramatisch zum Positiven verändern.

Alltagsbeispiel: Dreck in der Küche

Das Kind hat in der Küche beim Essen gekleckert. Eine gängige Reaktion ist es, sich zu ärgern und zu betonen, wie schlimm das ist, wenn gekleckert wird. „Oha, warum machst du hier schon wieder so einen Dreck?“ Die Frage sollte sein: Was steht für mich hinter der Wut – und ist es wirklich die Verantwortung meine Kindes, dass die Küche blitzeblank ist? Was wir stattdessen sagen können: „Boah, der Dreck ärgert mich!“ Der Dreck hat nämlich nichts mit dem Kind zu tun. Dann kann man gemeinsam alles aufwischen, und fertig. 

Alltagsbeispiel: Zähneputzen

Zahngesundheit ist wichtig. Alle Menschen müssen Zähne putzen, und oft sind wir Eltern ratlos, wie wir diese ungeliebte Routine im Alltag unterbringen können. Sätze wie: „Wenn du dir jetzt nicht die Zähne putzt, dann…!“ setzen unter Druck und helfen dem Kind nicht zu verstehen, warum das Zähneputzen eigentlich wichtig ist. Unser Kind lernt, zu funktionieren und Befehle aus Angst auszuführen (zumindest, solange die Eltern zuschauen), mehr nicht.

Was wir stattdessen sagen können: „Mir ist das Zähneputzen wichtig, weil du mir wichtig bist und weil mir deine Gesundheit am Herzen liegt.“ 

Gewaltfreie Kommunikation bedeutet Verantwortung übernehmen

Gewaltfreie Kommunikation bedeutet nicht, dass wir Eltern uns aus der Verantwortung stehlen. Wir sagen nicht: „Ja Schatzi, wenn Zähneputzen für dich so doof ist, dann musst du natürlich auch nicht.“ Wir können gewaltfrei kommunizieren und trotzdem klar sein. Wir können sagen: „Das ist mir wichtig, du musst deine Zähne putzen.“

In dem Moment übernehmen wir selbst die Verantwortung und sagen nicht zu unserem Kind: „Du bist ein schlechter Mensch, wenn du nicht deine Zähne putzt.“ Und das ist der Unterschied. 

Josephine Bernstein schreibt für Barrio unter anderem über bedürfnisorientierte Elternschaft. Weitere Denkanstöße findet ihr auf ihrem Blog, bei Instagram oder bei Twitter.

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