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Die Sprachentwicklung unserer Kinder ist ein zentrales Thema, was uns Eltern beschäftigt. Viele unterschiedliche Meinungen und Ratschläge bekommen wir diesbezüglich zu hören. Hier für euch die Fakten.   

      Liebe Eltern,                                                                                                                                                                                                         der Moment, in dem euer Baby das erst Mal Mama oder Papa sagt ist doch einfach wundervoll! Ich erinnere mich genau, als meine Tochter, sie ist heute 27, zum ersten Mal Mama sagte. Zuerst dachte ich, ich höre nicht recht.  Aber sie sagte es an diesem Tage immer wieder. Es plapperte so aus ihr heraus… Ma-ma oder Mam-mam-mam oder Ma-ma-ma-ma.  Es war so, als ob diese Silben schon ganz lang in ihrem Köpfchen entstanden waren und nun endlich raus konnten. Und sie war so stolz auf sich und quickte vor Lachen, wenn ich ihre Laute nachahmte. 

Faszination Sprachentwicklung

Für mich ist die Sprach- und Sprechentwicklung eines Babys etwas ganz besonders Faszinierendes.  Ganz viele kleine Faktoren müssen im Zusammenspiel wirken, damit ein Kind nach etwa 3 Jahren mit Sprache, Gestik und Interaktion mit uns kommunizieren kann.  Aber all das entsteht unter normalen Voraussetzungen ganz selbstverständlich, weil das Bedürfnis eines Menschen zur Kommunikation bereits in unseren Genen angelegt ist. Fachleute sprechen vom „ungesteuerten Spracherwerb“ oder von natürlichen Bedingungen, wie sie nur in den ersten Lebensjahren gegeben sind.

Grundvorausetzungen zur Sprachentwicklung

Das sensible Zusammenspiel zwischen Sprach- Sprechentwicklung beginnt bereits im Mutterleib. Wichtigste Grundvoraussetzungen sind:

  • das Hören
  • die Entwicklung des Sprachzentrums im Gehirn 
  • die Entwicklung der Organe und Muskeln für das Formen der Silben: Zwerchfell, Lippen und Zunge
  • Erfahrungen des Hörens, Fühlens und Sehens 

Bereits im Mutterleib hat euer Baby etwa ab der 20. Schwangerschaftswoche, eure ganz typischen Geräusche gehört. Zum Beispiel den Herzschlag der Mama oder die Melodien eure Stimmen. Nach der Geburt kann das Baby bereits bestimmte Geräusche, die im bekannt sind herausfiltern. Es beruhigt sich, wenn ihr mit ihm sprecht oder wenn es Musik hört, die ihr ihm bereits vorgespielt habt als es noch im Mutterleib war. Ihr merkt seine Vorliebe für die ihm bekannten Geräusche, wenn euer Baby sich nach einem aufregendem Tag mit vielen neuen Eindrücken bei einer bestimmten Musik, die ihr im schon vorgespielt habt, als es noch im Mutterleib war beruhigt.

Hören, Fühlen, Sehen und ihre Bedeutung zur Sprachentwicklung

Für euer Baby ist eure liebevolle Zuwendung die wichtigste Voraussetzung auch für die Entwicklung der Sprache und es Sprechens. Das Fühlen eures Streichelns in Verbindung mit euren Lauten geben euerm Baby ein warmes Gefühl des Angenommen-Seins. Dabei kommt es gar nicht darauf an was, sondern wie ihr es sagt. Ohne dass ihr es bewusst wahrnehmt verwöhnt ihr euer Neugeborenes mit Sprache und liebkost es mit Streicheln. Euer Baby erfährt auf diese Weise Zuwendung, Nähe, Wärme und kann sich willkommen und angenommen fühlen.

Jedes Kind benötigt seine eigene Zeit zur Sprachentwicklung

Es sieht eure Mimik und eure Mundbewegungen. Es hört eure Sprache und die Melodie mit der ihr das Wort benutzt. Aus all diesen Wahrnehmungen lernt es eure Sprache, seine Muttersprache. Euer Kind folgt dazu seinen eigenen Regeln und benötigt seine eigene Zeit. Manche Kinder sprechen bereits mit 9 Monaten einzelne Worte und manche erst mit 30 Monaten. Die meisten Kinder können mit ca. 12-18 Monaten erste Worte ganz gezielt nutzen, da sie ein Verständnis der Wortbedeutung entwickelt haben

Sprach- und Sprechentwicklung

Die Sprachentwicklung bezieht sich auf das Erlernen der Sprache.  Dazu gehört der Wortschatz, die Grammatik, die Melodie und das Anwenden der Sprache. Die wichtigste Voraussetzung für das Erlernen von Sprache ist die Interaktion mit euch Eltern. Ihr gebt ihm mit jedem Wort und dem Formen von Wörtern mit eurem Mund die Möglichkeit Sprache zu sehen. Durch die Interaktion mit euch kann euer Baby einen passiven Wortschatz im Sprachzentrum seines Gehirns anlegen, um ihn später wieder zu erkennen und anzuwenden.

Passiver Wortschatz

Es erfährt von Euch durch die Sprache Zuwendung und Geborgenheit, auch mal Strenge und Verbot, Warnung vor Gefahr, Aufmunterung, Trost und alles andere was wir mit Sprache ausdrücken. Es erlernt von euch die Grundlagen der Kommunikation, dem wichtigsten Bindeglied von Beziehung und auch der Eltern-Kind-Bindung.

Sprechentwicklung

Die Sprechentwicklung bezieht sich auf die Entwicklung der Organe und Muskeln, die euer Kind für das Bilden von Lauten benötigt. Dazu gehören das Zwerchfell, die Mundmuskulatur und die Zunge. Für die Entwicklung des Sprechens ist die Mundmuskulatur und ihr Zusammenspiel und die Wahrnehmung dieses Zusammenspiels eine wichtige Voraussetzung für die Bildung von Lauten. Bereits im Mutterleib übt euer ungeborenes Kind mit dem Saug- und Schluckreflex die Motorik von Lippen, Zunge, Zungenspitze und Mundmuskulatur. Im Verlauf des ersten Lebensjahres, zum Beispiel durch Lall-Laute, Schmatzen, Prusten übt euer Kind dieses Zusammenspiel. Es wird sich seiner Möglichkeiten mehr und mehr bewusst und setzt sie auch ein. Im meinem nächsten Artikel schreibe ich euch mehr zu den Meilensteinen der Sprach- und Sprechentwicklung eures Babys zu bestimmten Zeitpunkten im ersten Lebensjahr. Ich wünsche euch eine schöne Zeit mit eurem Kind und macht alles nach, was euer Baby euch erzählt. Wir fühlen uns ganz oft albern dabei, aber ihr dürft das als Eltern und solltet das auch ganz ungeniert tun, denn euer Baby lernt daraus.

Wie schrecklich es ist, wenn Babys ohne sprachliche und liebevolle Zuwendung sein müssen zeigte uns der Waisenkind-Versuch von Friedrich II. von Hohenstaufen im 13. Jahrhundert.

Liebe Grüße

Eure Stefanie

Hier lest ihr in unserem Magazin mehr zum Thema Sprachentwicklung

Beitragsfoto: Von Prostock-studioshutterstock.com